Am Sonntag, dem 21. Juni 2026, fanden in den Gemeinden Velbert-West und Velbert-Langenberg die letzten Gottesdienste vor der Profanierung statt. Dank der frühzeitigen Ankündigung im Internet und durch Mundpropaganda waren beide Kirchen gut besucht. Das nahende Abschiednehmen sorgte bei den Gemeindemitgliedern für tief bewegende und emotionale Momente.
Ein zentrales Fundament: Die Hoffnung auf den Zukunftsfrieden
Den Gottesdiensten lag das Bibelwort aus Hebräer 10,23 zugrunde: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat.“ Dieses Wort bestimmte die Predigten an beiden Standorten mit der zentralen Botschaft: Die Hoffnung auf Gott lässt uns erfüllt mit Frieden in die Zukunft blicken.
Die Ausrichtung auf die Wiederkunft Christi – ein Fundament des neuapostolischen Glaubens – stand im Mittelpunkt. Der Friede und die Gemeinschaft, die Gläubige schon heute miteinander und mit Gott erleben dürfen, finden in der neuen Schöpfung ihre Vollkommenheit. Diese Gewissheit soll das Verhalten in der Gegenwart prägen. Christus ist schon jetzt in seiner Gemeinde gegenwärtig und wird durch die Macht des Heiligen Geistes in Wort und Sakrament sowie im liebevollen Miteinander erfahrbar. In der Ausgestaltung setzten die Standorte jedoch unterschiedliche Akzente.
Velbert-West: Festhalten am Bekenntnis der Hoffnung
Den letzten Gottesdienst in Velbert-West feierte Priester Andreas Amthor. Er begrüßte neben der Gemeinde auch zahlreiche Ehemalige und Gäste. Im feierlich besetzten Gemeindechor wirkten alle anwesenden Sängerinnen und Sänger mit. Passend zum Anlass war der Altar mit einem Blumenherzen geschmückt, das die Zahl 43 umschloss – ein Symbol für das Bestehen der Gemeinde von 1983 bis 2026.
In seiner Predigt betonte Priester Amthor, dass die Wiederkunft Jesu Christi die Kernhoffnung sei, die es nach innen und außen zu bekennen gelte. Auch wenn Unsicherheit zum Alltag gehöre, trage der Glaube durch alle Prüfungen.
Dankbarer Rückblick auf 43 Jahre
Priester Amthor gedachte der verstorbenen Gemeindemitglieder, die im Geist an diesem Tag Anteil nahmen, und blickte dankbar auf 43 Jahre Gemeindegeschichte zurück: über vier Jahrzehnte voller Gemeinschaft, gemeinsamen Betens und Erlebens von Sakramenten und Segnungen – von Taufen und Versiegelungen bis hin zu Hochzeiten und Ordinationen. In den Predigtbeiträgen wurde der Blick nach vorn gerichtet:
Diakon Simon Uhlich nahm Bezug auf die spürbare Bewegung im Gottesdienst und betonte, dass Jesus uns seinen Frieden anbietet, den wir auch in der künftigen Gemeinde Velbert erfahren dürfen.
Priester Reiner Krempf griff das Thema „Heimat“ auf. Er verglich den Übergang mit dem Umzug einer Familie: Auch wenn sich die Adresse ändert, bleibt das Zuhause und der familiäre Verbund bestehen. Die Wirksamkeit des Heiligen Geistes sei nicht an ein Gebäude gebunden, getreu dem Wort aus Matthäus 18,20: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“
Ein bewegender Abschluss
Nach dem Heiligen Abendmahl und dem Schlusssegen sang die Gemeinde ihre Hymne: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil“ (NAK-Chorbuch 162).
Im Anschluss informierte Priester i.R. Hans Osthoff über kommende Termine und gab einen Einblick in die Gemeindechronik, die derzeit überarbeitet wird. Sichtlich bewegt erinnerte er an das erste Chorlied der Gemeinde im Jahr 1983, „Eins in Geist und Streben…“ (NAK-Chormappe 143), dessen Schlussakkord die Gemeinde bis heute präge: „… ein Ziel und Lauf zu Gott hinauf, dann erstarkt die Kraft im Streben. Möge Gott das geben!“
Beim anschließenden Brunch wurde im gemeinsamen Gespräch – wie man im Bergischen Land sagt: beim „Töttern“ – reichlich Erinnerungen ausgetauscht.
Velbert-Langenberg: „Ich will Frieden geben an diesem Ort“
In Velbert-Langenberg führte Priester Bernhardt Plötz als einziger aktiver Priester des Standortes durch den Gottesdienst. Er schlug zu Beginn die Brücke zur Einweihung des Kirchengebäudes im Jahr 1969 und erinnerte an das damalige Weihewort: „…Ich will Frieden geben an diesem Ort“ (Haggai 2,9). Dieser Friede bleibe auch nach der Zusammenlegung das zentrale Thema: „Wir gehen mit Gottvertrauen in die Zukunft.“
Anschauliche Bilder für das Herz
Wie man zu diesem Frieden kommt, verdeutlichte Priester Plötz an drei Beispielen. Er erzählte von einem nervösen Musiker vor einem großen Konzert, dem sein Meister riet, tief durchzuatmen und sich ganz auf die Musik zu besinnen. Das zweite Bild handelte von einem alten Seemann, der selbst im schwersten Sturm unter Deck ruhig schlafen konnte, weil sein Vertrauen nicht den tosenden Wellen, sondern ganz dem Kapitän galt – so wie Gott unser Kapitän ist, der alles im Griff hat. Mit Blick auf die anwesenden Kinder beschrieb er schließlich das Vertrauen von Kindern, die nachts bei Angst Schutz im Elternbett suchen und dort sofort ruhig und sicher einschlafen.
Vor dem nächsten Predigtbeitrag sang der Chor das Lied „Herr, an deines Altars Stufen“ (Chorbuch 103) – eine Komposition des ehemaligen Langenberger Musikers Fritz Steinert (1899–1980).
Anschließend betonte Roland Götte, vormals Priester in Langenberg und jetzt in Wülfrath, die Freude über das Wiedersehen und die tiefe Gemeinschaft untereinander und mit Gott. Ein Umzug bedeute zwar immer, Gewohntes aufzugeben, doch den erlebten Frieden nehme man mit in die neue Umgebung. Zum Abschluss des Predigtteils wies Priester Plötz darauf hin, dass das Verlassen des Kirchengebäudes auch eine „Übung für die Wiederkunft Jesu“ sei, bei der wir ebenfalls alles Irdische zurücklassen, um dem Herrn zu begegnen.
Nach der Feier des Heiligen Abendmahls schloss der Gottesdienst mit Gebet und dem dreifachen Segen.
Fazit und Impuls der Gottesdienste
Mit Schwung, Elan und dem festen Glauben an den Zukunftsfrieden gehen die Gemeinden nun gemeinsam den Weg in die neue Zielgemeinde.
Der Altar in Velbert-West
23. Juni 2026
Text:
Michael Boldt,
Reiner Krempf
Fotos:
Reiner Krempf,
Marie Möller,
Rolf Möller
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