(28. Juli 2021) Velbert-West. Bischof Ulrich Götte feierte den Abendgottesdienst mit den Glaubensgeschwistern der Gemeinde Velbert-West. Eine Lücke in seinem Terminplan ermöglichte den kurzfristigen Besuch.
Einmal im Monat findet in der Woche ein Gottesdienst statt, der ein spezielles biblisches Bild oder Thema zum Gegenstand hat. Im heutigen Gottesdienst stand das Gleichnis vom verlorenen Sohn im Mittelpunkt, welches wir nur im Lukasevangelium verzeichnet finden. Zur Vertiefung der Bibelkunde im Gottesdienst findet dann auch eine enstsprechende Bibellesung statt, für diesen Gottesdienst aus Lukas 15, 18-32 (Der verlorene Sohn).
Drei Perspektiven
Als Grundlage für diesen Gottesdienst diente das Bibelwort aus Lukas 15,32:
„Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.“
Unser Bischof ging in seiner Predigt auf die Bibellesung ein. Er habe aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn drei unterschiedliche Perspektiven bzw. Standpunkte herausgelesen.
Der verlorene Sohn
Zunächst betrachtete er den verlorenen Sohn. Er wollte sein Elternhaus verlassen und forderte daher von seinem Vater sein Erbteil. Er ging in ein anderes Land und hat in der Folgezeit sehr gut gelebt, bis sein Erbteil durchgebracht war. Da kam eine Hungersnot über dieses Land und er musste darben. Zuletzt musste er die Säue auf dem Acker hüten. Da entsann er sich auf zu Hause, wo es bei seinem Vater selbst den Tagelöhnern besser ging als in seiner jetzigen Situation. Er entschloss sich, zurückzugehen, um als Tagelöhner bei seinem Vater anzufangen und ihm zu sagen: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.“
Der Vater
Der Vater, der zwei Söhne hatte, sah seinen jüngeren Sohn schon von weitem kommen; es jammerte den Vater und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn entschuldigte sich bei seinem Vater für sein Fehlverhalten und wollte nicht als Sohn, sondern als Tagelöhner bei ihm anfangen. Sein Vater war aber barmherzig. Er rief seine Diener, dass sie ihm das beste Gewand, einen Ring und Schuhe bringen sollten. Außerdem sollte ein gemästetes Kalb geschlachtet werden, um seinem für Tod geglaubten Sohn ein Fest zu bereiten.
Der ältere Sohn
Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn wieder gesund bei sich hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater kam heraus und versuchte, ihm seine Freude über den Tod geglaubten und nun zurückgekehrten Sohn zu erklären und ihm zu verdeutlichen, dass er dadurch keinen Nachteil hätte. Es kam zu einer harten Aussprache mit massiven Vorwürfen gegen den Vater. Wir können aus der Bibel keine spätere Einsicht des älteren Sohnes erkennen und ableiten. Leider gibt die Bibel keinen Aufschluss darüber, wie sich das Verhältnis zwischen dem Vater, dem älteren Sohn und dem Jüngeren entwickelt hat. Der Bischof meinte dazu mit einem Schmunzeln: „Irgendwie fehlt uns hier das sogenannte „Happy-end“!
Was lernen wir daraus?
Der ältere Sohn konnte seinen Vater mit seiner Barmherzigkeit und Güte für den jüngeren Bruder nicht verstehen. Er verharrte fest in seinem Standpunkt. Vielleicht könnten wir aus menschlicher Sicht sogar Verständnis für diese Haltung aufbringen, wenn man das Verhalten des jüngeren Bruders kritisch betrachtet.
Das Gleichnis kann als Bild für die Barmherzigkeit Gottes angesehen werden. Wir wollen vorbehaltlos akzeptieren, dass Gott nicht nur uns, sondern auch anderen Menschen gegenüber gnädig ist und uns darüber freuen.
Unser Bischof leitete aus diesem Gleichnis eine Botschaft mit einer Empfehlung ab:
„Wir sollten unseren Standpunkt zu Gott regelmäßig überprüfen und nicht verharren!“
28. Juli 2021
Text:
Reiner Krempf
Fotos:
Reiner Krempf
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