Am Sonntag, dem 28. Juni 2026, erlebte die Gemeinde Velbert-West ihren letzten Gottesdienst in der Kirche an der Poststraße 150, die über 30 Jahre lang als Gotteshaus und Gemeindemittelpunkt diente. Bischof Olaf Koch vollzog am Ende der feierlichen Stunde die Profanierung (Entwidmung) des Kirchengebäudes. Eingeladen waren alle Mitglieder des Gemeindeverbundes Velbert sowie zahlreiche Ehemalige.
An diesem Sonntagmorgen wehte ein Hauch von Wehmut, aber auch von großer Dankbarkeit durch die Reihen. Nach 43 Jahren des Bestehens der Gemeinde Velbert-West erfolgte im Rahmen des Gottesdienstes die Profanierung des Gebäudes. Die Kirche war mit über 100 Gläubigen gut besetzt; weitere 100 Teilnehmer verfolgten den Gottesdienst über die YouTube-Übertragung.
Bischof Olaf Koch legte der Vorbereitung auf den Gottesdienst für die Entschlafenen am kommenden Sonntag ein Wort aus Jeremia 29,11 zugrunde: „Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.“ Begleitet wurde er vom Bezirksältesten Holger Zimmermann und dem Bezirksevangelisten Roland Blome aus der Leitung des Bezirkes Bergisches Land.
Gott schenkt Frieden, Zukunft und Hoffnung
Bischof Koch erläuterte kurz den historischen Kontext des Bibelwortes: Der Prophet Jeremia schrieb damals einen Brief an die „Weggeführten in Babel“, die ins Exil gehen mussten. Doch auch in der Fremde bezeugte Jeremia, dass Gott Gedanken des Friedens habe. Gott lasse die Menschen nicht in geistlicher Not und Verlassenheit zurück, sondern schenke ihnen eine Zukunft – die Aussicht auf die ewige Gemeinschaft mit ihm und untereinander. Durch Wort und Sakrament bestehe für Lebende und Tote gleichermaßen die Möglichkeit, das Heil und das ewige Leben zu erlangen.
Bezirksältester Zimmermann vertiefte diesen Gedanken von Frieden und Zukunftshoffnung in seinem anschließenden Predigtbeitrag.
Dankbarer Rückblick auf 43 Jahre
Während des Gottesdienstes zitierte Bischof Koch aus der Chronik von Velbert-West, die vom Priester i.R. Hans Ostoff (Gemeindevorsteher von 2006 bis 2020) verfasst wurde. Unvergessen bleibt demnach das erste Chorlied, das der damals neu gegründete Gemeindechor sang: „Eins im Geist und Streben“ (Chorliedersammlung I der NAK, Lied Nr. 143 – siehe Download). Dieses Lied habe die Gemeinde bis heute tief geprägt.
„Was hat sich in all dieser Zeit nicht alles an Segnungen und heiligen Handlungen ereignet“, resümierte der Bischof dankbar und erinnerte an Taufen, Versiegelungen, Konfirmationen, Hochzeiten, Jubiläen und Ordinationen sowie an die Besuche der Apostel und Bezirksapostel, aber auch an schmerzliche Trauerfeiern. Tiefe Dankbarkeit sollte die Glaubensgeschwister erfüllen für alles, was Gott seiner Gemeinde in dieser Zeit bereitet habe. In diesem Zuge erwähnte Bischof Koch auch die insgesamt acht Gemeindevorsteher, die in den vergangenen 43 Jahren die Seelsorge und Betreuung der Mitglieder verantworteten.
Für den Wechsel in die neue Gemeinde wünschte er allen Beteiligten, dass sie dort – trotz aller berechtigten Wehmut – schnell Frieden und eine gemeinsame Zukunftshoffnung finden mögen.
Die Profanierung
Nach der Sündenvergebung, der Feier des Heiligen Abendmahles und dem Schlussgebet entwidmete Bischof Koch das Kirchengebäude mit den feierlichen Worten: „In dem Namen Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, entwidme ich diese Stätte. Sie ist von nun an keine Wirkungsstätte des Heiligen Geistes mehr. Der Friede Gottes begleite die Gemeinde auf ihrem weiteren Weg. Amen.“
Anschließend erfolgte der abschließende Segen des dreieinigen Gottes. Zum Abschied dankte der Bischof noch einmal ausdrücklich allen, die sich in den vergangenen 43 Jahren mit viel Liebe und Engagement eingebracht hatten – dies gelte für alle Gemeindemitglieder gleichermaßen und nicht nur für die Amtsträger. Möge das „Einssein im Geist und Streben“ alle auch weiterhin erfüllen und beflügeln.
Ein bewegender Abschied
Britta Amthor aus dem Gemeindegremium nutzte am Ende des Gottesdienstes die Gelegenheit, die Gefühle und die Stimmung der Gemeinde zusammenzufassen. In bewegenden Worten blickte sie zurück und stellte dabei besonders die herzliche Gemeinschaft und das gelebte Miteinander heraus. Sie schloss ihren Rückblick mit den Zeilen des berührenden Chorliedes: „Du hast uns als Gemeinde in deinen Dienst gestellt…“ (NAK-Chorbuch Nr. 352 – siehe Download).
Wünsche in den Himmel geschickt
Für den Abschluss hatte sich Britta Amthor zudem eine besondere Aktion überlegt: Sie lud alle Gemeindemitglieder aus Velbert-West dazu ein, einen persönlichen Wunsch für den Neuanfang auf vorbereitete Kärtchen zu schreiben: „Was wünsche ich mir in der neuen Gemeinde Velbert?“ Diese Zettel wurden in Luftballons gesteckt, die anschließend gemeinsam vom Parkplatz der Kirche aus in den Himmel aufstiegen.
Dies setzte einen sehr emotionalen, aber auch hoffnungsvollen Schlusspunkt unter einen langen Lebensabschnitt, der bei vielen Beteiligten tiefe Erinnerungen und bewegende Gefühle hinterließ.
Der Altar in Velbert-West
29. Juni 2026
Text:
Reiner Krempf
Fotos:
Reiner Krempf,
privat
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